Israel-Deutschland: Ein internationales Geschichtsprojekt








» Projektbericht


    I. Aufenthalt der israelischen Gruppe in Münster, vom 24. Sept. bis 1. Okt. 2007

    A. Die Bewerbung

    Der erste Austausch zwischen dem Ev. Jugendreferat des Kirchenkreises Münster in Verbindung mit dem Annette-von-Droste-Hülshoff-Gymnasium und der Makif H High School in Rishon Le Zion, Israel, im Frühjahr und Sommer 2006 verlief sehr positiv. Beide Seiten beschlossen bereits im November 2006, den Austausch im folgenden Jahr fortzusetzen. Im Januar 2007 waren beide Gruppen bereits so gut wie vollständig.

    Auf der Münsterschen Seite begann die Arbeit mit einem Informationsabend für die Jugendlichen zusammen mit ihren Eltern und dann folgend mit Treffen der Austauschgruppe in einem zwei-bis dreiwöchigen Rhythmus, der nach den Osterferien ein wöchentlicher wurde. In den ersten Treffen wurde zusätzlich die Bewerbung für einen internationalen Geschichtswettbewerb beim Fonds "Erinnerung und Zukunft" beschlossen.

    Bereits beim ersten Austausch hatten beide Gruppen ein gemeinsames Projekt mit dem Titel: "Wer seid Ihr?" mit einer PowerPoint Präsentation abgeschlossen. Diese Präsentation wurde Teil der Bewerbung der Stadt Münster für den Europapreis 2007 des "Instituts für europäische Partnerschaften und internationale Zusammenarbeit". Die Stadt Münster erhielt den Preis.

    Der neue Projektantrag beim Fonds wurde Ende Juli 2007 bewilligt. Die Ausschreibung forderte Schulen und Jugendgruppen auf, nach menschlichen Menschen in einer Zeit von Diktatur und Krieg zu suchen. Unser Projekt gab sich folgenden Titel und Arbeitsauftrag: "Nachtherbergen für die Wegwunden" (Nelly Sachs) - Deutsche und israelische Jugendliche setzen sich mit der Rettung der jüdischen Familie Spiegel in den Jahren 1943-45 durch fünf Bauernfamilien im Münsterland auseinander.


    B. Die Vorbereitung

    Die Münsteraner Gruppe nutzte die lange Vorlaufzeit bis zur Begegnung mit den Israelis in den Herbstferien, um die noch lebenden Zeitzeugen herauszufinden und sie zu interviewen. Vier der fünf Familien waren dazu bereit. Die verantwortlichen Bauernehepaare jener Zeit leben nicht mehr, aber ihre Kinder oder Schwiegerkinder.

    Von der geretteten Familie lebt noch Frau Spiegel, jetzt 95 Jahre alt, in erstaunlicher Vitalität. Sie stellte sich den jungen Leuten zu einem Interview von über zwei Stunden. Voraussetzung dieses Interviews war ihr eigenes Buch "Retter in der Nacht", das alle Gruppenmitglieder zur Lektüre erhalten hatten.

    Die Mitarbeit der israelischen Gruppe litt unter dem Nachteil, dass das Buch Frau Spiegels nur in Deutsch vorliegt. Während des Aufenthalts der Israelis in Münster baten wir eine hier studierende Israelin, Teile des Buches vorzulesen oder nachzuerzählen. Da es bis zu diesem Zeitpunkt nur eine Inhaltszusammenfassung in Englisch für sie gegeben hatte, erhielten die Israelis nun endlich die Gelegenheit, Details und Nuancen des Berichtes in ihrer Muttersprache zu hören. Das brachte den Durchbruch - die Israelis bekannten, die Geschichte zum ersten Mal wirklich zu verstehen. So waren sie auch gut vorbereitet, mit Frau Spiegel an einem ganzen Nachmittag zu diskutieren, und gespannt darauf, die Retterfamilien kennenzulernen.

    Auf eigenen Wunsch begleitete uns Frau Spiegel auf unserer Tour durch das Münsterland - sie wollte noch einmal alle Bauernhöfe, auf denen sie, ihre kleine Tochter und ihr Mann Zuflucht gefunden hatten, sehen. So kam in Nordkirchen ein seltenes Bild zustande: Die Retterfamilien und Frau Spiegel saßen zusammen mit israelischen und deutschen Jugendlichen, dankbar und staunend über dieses Zusammentreffen, wobei eine der beiden israelischen Lehrerinnen, deren Vater das KZ überlebt hat, den Talmudsatz sagte: "Wer einen Menschen rettet, rettet die ganze Menschheit".



    C. Die Begegnung mit Frau Spiegel und den Retterfamilien

    Die Vorbereitung der Begegnung mit Frau Spiegel und den Retterfamilien geschah in israelisch-deutsch gemischte Kleingruppen. Die Jugendlichen sollten zunächst das jeweilige Vorwissen und Verständnis vom Holocaust austauschen, dann sich Fragen für die Interviews überlegen und die geeignetsten auswählen.

    Die Münsteraner lernten, welch großen Raum der Holocaust im Curriculum des israelischen Schulen einnimmt, sie hörten, dass "gute Geschichten" über Deutschland zur Zeit des Naziregimes in Israel so gut wie unbekannt seien, und ihnen wurde versichert, sie sollten sich wegen dieser Katastrophe selbst nicht schuldig fühlen.

    Die Israelis wollten von Frau Spiegel besonders wissen, ob es während ihres Untertauchens glückliche Momente gegeben habe, ob sie zwischenzeitlich einmal aufgeben wollte, wie der Kontakt mit ihrem Ehemann, der sich getrennt von ihr verstecken musste, aufrecht erhalten wurde, und warum sie nach der glücklichen Befreiung weiter in Deutschland habe leben wollen.


    Die Interviews mit den Rettern kreisten vor allem um die Frage, warum sie - im Gegensatz zum mörderischen Zeitgeist des Naziregimes - Juden haben helfen wollen und können und ob sie dies noch einmal tun würden. Auf einem der Bauernhöfe konnten die Gäste noch das Geheimversteck sehen, in das Herr Spiegel hätte flüchten müssen, wenn etwa eine unangemeldete Hausdurchsuchung durchgeführt worden wäre.

    Die Projektarbeit wurde nach dieser ersten Begegnung der Gruppen noch intensiver fortgesetzt. In Münster soll sie in eine Radiosendung und einer Ausstellung münden und sie wird begleitet von einer ständig aktualisierten Website: www.muensterishon.de

    In Rishon Le Zion wird das bisher nach jedem Polenbesuch von den Schülern eingerichtete "Auschwitz-Zimmer" für eine Zeit in ein "Retterzimmer" verwandelt. Es ist geplant, dass dieser nun der Geschichte der Familie Spiegel und ihrer Rettung gewidmete Klassenraum bei unserem Besuch Ostern 2008 der Öffentlichkeit vorgestellt und in einer Radiosendung kommentiert wird.



    II. Aufenthalt der Münsteraner Gruppe in Rishon Le Zion vom 15. - 29. März 2008

    A. Das Retterzimmer


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    In der Makif H High School begrüßte uns der Direktor Avi Kish, um uns danach zum "Retterzimmer" zu führen, das wir eröffnen sollten. Nach dem Eintritt in den Raum sahen wir uns in einem dunklen Gang, in dem an einer Seite ein großes Foto von halb verhungerten KZ-Häftlingen hing - Sinnbild der Mördergeschichte des Dritten Reiches.

    Man trat ins Helle und befand sich mitten in der Ausstellung über die Geschichte der Familie Spiegel in ihrer Retter - großformatige Fotos zumeist, auf einer Truhe aber auch aufgereiht kleinere Schwarz-Weiß-Aufnahmen von Anni Richter, der Retterin aus der Familie Aschoff, die beide Gruppen gemeinsam in Münster interviewt hatten.

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    Im Zentrum, neben ihrem Lebenslauf, fiel der Blick auf ein Foto von Marga Spiegel und ihrer kleinen Tochter Karin - ein Bild aus unbeschwerten, besseren Tagen. Daneben konnte man ihren Lebenslauf lesen.

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    Unwillkürlich stellte sich der Gedanke ein - wenigstens diese hier so zukunftsfroh lächelnden Menschen sind nicht ermordet worden. Die Israelis erzählten uns, dass sie diesen Raum erst einmal von allem Gerümpel haben befreien müssen und einen Teppichboden hineingelegt hätten, um ihn einladend zu machen. Sie wollten nun gern unsere Meinung hören und baten uns auch um schriftliche Kommentare für das Gästebuch. In nächster Zeit wolle man nun die einzelnen Klassen mit dem Retterzimmer und der Ausstellung bekannt machen.


    B. Die Radiostation

    Am Nachmittag saßen wir dann, voller Staunen, dass so etwas möglich ist, in der schuleigenen Radiostation. Die für die Ausbildung zuständige Lehrerin führte uns in die Entstehung, Aufgaben und technischen Möglichkeiten des Radiosenders ein, die israelischen Schüler gestalteten dann in lässiger Souveränität eine Live-Sendung über unseren Besuch und unser Projekt. Die Moderatoren wechselten ebenso von Interview zu Interview, ebenso wie die Interviewten. Die Zwischenmusik war vorher schon ausgewählt, ebenso die Fragen, die man aber auch spontan ergänzte.

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    C. Das Rabin Peace Center

    Das Rabin Peace Center, das wir am folgenden Montag besuchten, ist noch im Aufbau. Es soll nicht nur an den ermordeten Ministerpräsidenten Itzhak Rabin erinnern, sondern auch die israelische Gesellschaft fähiger machen, die Integration ihrer Mitglieder mit ihren Chancen und Grenzen zu reflektieren und zu verbessern. Diese auch für Deutsche hochaktuelle Problematik diskutierten wir in einem Workshop mit der Leitfrage: Was ist ein Israeli? Ein Film über das Leben Rabins, dem seine Wende vom "Fighter" auf dem Schlachtfeldern zu einem "Fighter for peace" das Leben kostete, dessen Schicksal den jungen Deutschen bis dahin unbekannt war, stellte ebenso die Frage nach dem Zusammenhalt einer so disparaten Gesellschaft wie ein weiterer kurzer Spielfilm, in mit einem Stein begann, der in ein Geschäft russischer Einwanderer geworfen wurde.

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    Am Beispiel der russischen Einwanderer, die in Israel zu einer Parallelgesellchaft zu tendieren scheinen, wurde wiederum das Problem des Umgangs mit den "Verschiedenen", mit den so Anderen in meiner Nachbarschaft und dem einigenden Band zwischen ihnen diskutiert.


    D. Yad Vashem (I)

    1. Das Tal der zerstörten Gemeinden

    Der erste Tag in Yad Vashem begann in einem Seminarraum mit einem Film über die "Kristallnacht" mit darin eingewobenen Zeitzeugenaussagen - der Beginn des Untergangs des europäischen Judentums. Wir gingen darauf herunter in das Tal der zerstörten Gemeinden, suchten auch die jüdische Gemeinde Münster und fanden sie. Die Führung wurde zweimal unterbrochen durch einen in unsere Gruppe hereinplatzenden Juden, der sich zuerst als polnischer Jude aus Chelm offenbarte und uns ein Beispiel hintergründigen Humors aus seinem Dorf gab. Es war ein im ersten Augenblick nicht erkennbarer Schauspieler, der uns so auf heitere Weise den Verlust dessen, was Judentum auch bedeutete, nahebrachte. Er tauchte im griechischen Teil der Erinnerung an zerstörte Gemeinden noch einmal als Fischer auf und gab ein Beispiel für die List und das Gottvertrauen von Juden in einer tödlich bedrängenden Situation.

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    2. Die Gedenkstätte


    Eine sehr kenntnisreiche, über dreistündige Führung in Englisch durch das Museum füllte den Nachmittag aus. Den Deutschen war, so sagten sie, die Chronologie des Schreckens durch viele Unterrichtsstunden, auch über Filme und Fotos, im Wesentlichen bekannt. Am meisten beeindruckte sie die Halle der Namen, ein gewaltiges Rund mit schwarzen Akten in unzähligen Regalen, in ihnen fast drei Millionen Blätter mit Namen der Ermordeten, über deren Schicksal Menschen aus der ganzen Welt noch Angaben haben machen können und die immer noch ergänzt werden. Wenigstens sollen sie ihren Namen behalten und in der Erinnerung bleiben.

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    E. Das Seminar im College of Management

    Ein Nachmittag in Rishon Le Zion stand unter dem Zeichen einer besonderen Vorlesungsveranstaltung an der ältesten und größten privaten Hochschule Israels, dem "College of Management" Academic Studies in Rishon.

    Auf Anregung der High School hatte das Department of Communication zu unserem Projekt ein Seminar angeboten mit Moshe Zimmerman, einem in Israel sehr bekannten Professor für Geschichte, Spezialist für die deutsch-jüdische Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts, der Professuren in Jerusalem und Gastprofessuren u.a. in Heidelberg und München und in Princeton innehatte.

    Der Hörsaal war ganz besetzt, als er, sehr detailreich, unter der Überschrift: "Survival in a hostile society", den Chancen zum Überleben der Juden in der antisemitischen und später mörderischen deutschen Gesellschaft der 30er und 40er Jahre des 20. Jahrhunderts nachging. Er zitierte auch aus einem Polizeibericht aus Münster, wonach die Münsteraner Bevölkerung sehr zufrieden auf die Deportation der Juden reagiert habe: "Vor dem physischen Tod kam der soziale Tod".

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    Die zweite Vorlesung von Dan Arav widmete sich dem Verhältnis von Medien und Geschichte und untersuchte vor allem die Wirkung der Konkurrenzsituation von Fernsehsendern auf z.B. Zeitzeugenberichten. Sein Vortrag lief auf ein sehr betroffen machendes Beispiel eines Filmberichts aus England zu: Er zeigte eine Holocaust-Überlebende, die vor den Toren des KZ Auschwitz mit vier Neonazis diskutierte, besser: zu diskutieren versuchte, und schlimm strandete: Schon filmisch war sie schlecht präsentiert, stets von hinten aufgenommen, sehr unruhig, noch kleiner wirkend gegenüber den "stattlichen" Anzugträgern, vier an der Zahl, die kühl ihre kurzen Kommentare abgaben. Für eine auf Show ausgerichtete Filmproduktion sicher "spannende", aber moralisch beschämende Situation!

    Die Veranstaltung wurde moderiert von der Dekanin der Abteilung für Kommunikation, Dr. Eva Berger, die den Direktor der High School und mich zu Grußworten aufforderte und eine Einführung in das Projekt und die dazu motivierende Stiftung "Europeans for Peace" gab. Am Ende der Veranstaltung zeigten die Israelis unter großem Beifall ihren Film, den sie über ihren Besuch in Münster und die gemeinsame Arbeit am Projekt gedreht hatten.


    F. Yad Vashem (II)

    1. The "Big Questions Room"

    Der zweite Tag in Yad Vashem begann im "Big Questions room", einem Multimedienraum, in dem man zu zweit am Computer interaktiv die großen Fragen, die die Katastrophe von Auschwitz stellt, aussuchen und von unterschiedlichen Experten, aus historischer, soziologischer und auch theologischer Perspektive, beantworten lassen konnte. Sehr oft wählten die Schüler die Frage: Wäre der Holocaust auch ohne Hitler möglich geworden? Die noch im Plenum gestellte Frage war: Wo war Gott?


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    2. "Gerechte unter den Völkern"


    Der anschließende Rundgang führte uns zu Beispielen von Widerstand gegen die Judenvernichtung, kollektiven wie der polnische und dänische Widerstand, und auch zu individuellen Widerständlern wie Wallenberg und einem portugiesischen Diplomaten. Am Nachmittag kam die Leiterin der Abteilung "Gerechte unter den Völkern", Irena Steinfeld, in unseren Seminarraum, gab eine Einführung in die seit 45 Jahren betriebene Suche nach Rettern -22.211 Menschen wurden bisher anerkannt - diskutierte über den "guten Menschen" und seine Motive mit uns, zeigte das Dossier 463, in dem alle die Geschichte der Familie Spiegel betreffende Dokumente aufbewahrt werden, und betonte noch einmal , wie ungewöhnlich es sei, dass nach all dem Schrecken ein Volk sich trotzdem auf die Suche macht, Menschen, die halfen, zu finden und zu ehren. Zur Motivation der Retter sagte sie, dass oft eine spontane Entscheidung am Anfang gestanden habe, die Theorie sich erst später einstellte.


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    Zum Schluss stellten die Münsteraner und die Rishoner Jugendlichen die Ergebnisse ihrer Projektarbeit vor und überreichten sie Frau Steinfeld. Sie werden in das Dossier 463 aufgenommen, eine Kopie wird im Archiv von Yad Vashem aufbewahrt. Von den Münsteranern waren dies:
    - eine CD mit der Radiosendung
    - eine CD mit allen Interviews (6 Stunden)
    - die Geschichte der Anni Richter
    - die Israelis übergaben eine Kopie ihres Filmes
    - eine - hebräische - Abschrift ihres Interviews mit Marga Spiegel.
    - Noch im Seminarraum zeigte Jörn Dressler die maßgeblich von ihm betreute Website über das Projekt: www.muensterishon.de



    G. Yad Vashem (III)

    Der dritte Tag in der "International School of Holocaust Studies" in Yad Vashem, am Montag, den 24. März 2008, begann mit einer Diskussion über Thesen aus einer Rede der israelischen Außenministerin Livni über : Was es bedeute, ein Jude und ein Israeli zu sein. Die Shoa beeinflusse das ganze Sein und Fühlen und Denken.

    Unsere Lehrerin Shir brachte uns danach noch ein weiteres jüdisches Schicksal von Verfolgung und Rettung nahe, um uns dann, von uns sehr gewünscht, zu dem Garten für die "Gerechten unter den Völkern" zu führen, wo wir die Namen der Münsterlander Bauern zu finden hofften. Wir fanden sie alle, in einem schattigen Wäldchen, auf großen Sandsteinblöcken, die verstreut aufgestellt waren, auf denen Tafeln, nach Nationen geordnet, die Namen der Gerechten verzeichneten.

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    Der Platz schien uns günstig und still genug, hier, und nicht, wie ursprünglich geplant, auf dem "Warschauer Ghetto Platz" , die Zeremonie und das Totengebet für die Opfer des Holocaust zu halten. Eine Gruppe von Israelis hatte es auf Englisch vorbereitet, sie standen in einer besonderen Formation hintereinander, wer las, trat vor, zum Schluss sangen alle die israelische Nationalhymne.

    Diese bewegende Feier hatte uns über alles Grauen hinweg beruhigt. Doch der abschließende Gang durch das "Children's Memorial" ließ uns noch einmal verstört zurück: 1,5 Millionen Kinder wurden ermordet, eine unvorstellbare Zahl, und man erinnert sich in dieser Gedenkstätte an sie, in dem man unter einem Sternenhimmel ihre Namen und ihr Alter nennt, unaufhörlich, ohne Pause, es sind so viele...



    H. Die Die Ausstellung in Münster vom 29. April - 14. Mai 2008


    Marga Spiegel kam und auch eine ihrer Retterinnen, Anni Richter, auch die Familie Pentrup war mit Schwiegertochter und Enkelin vertreten, als die Ausstellung am 29. April 2008 im Stadthaus I eröffnet wurde. Aus vierzehn Stellwänden wurde das Schicksal der Familie Spiegel unter dem Titel "Untergetaucht" mit Fotos und kurzen Texten auf blassgrünem Grund dargestellt. David Schumacher, Schüler im Kunstleistungskurs der Jahrgangstufe 12, hatte das Design entworfen.

    Vor über 60 Gästen führte die Austauschgruppe in das Projekt ein und erläuterte die Ergebnisse, Bürgermeisterin Reismann lobte das einjährige Engagement der jungen Leute. Christoph Schmidt-Ehmcke wandte sich zu Beginn mit einem Satz an Marga Spiegel: "Dass Sie hier sind, ist ein Wunder!" Die Gruppe habe versucht, dieses Wunder zu verstehen, und habe dabei das Glück gehabt, offene Türen und Herzen bei den Bauernfamilien zu finden, die dieses Wunder mit ermöglicht haben.


    Austellung


    Die Ausstellung wird nach dem 14. Mai 08 in das Annette-Gymnasium "umziehen" und dort, ergänzt mit Fotos vom Austausch, den Schülerinnen und Schülern gezeigt werden, und auch für einen Tag beim Fest anlässlich des 60. Jahrestags der Gründung des Staates Israel zu sehen sein. Danach soll sie für einige Zeit in der zentralen Arbeitsstelle der Ev. Jugend der Westfälischen Landeskirche, im Amt für Jugendarbeit in Villigst bei Schwerte, einen Platz finden.


    Austellung
    V.l.: Anni Richter, Bürgermeisterin Reismann, Mirit Silbermann, Marga Spiegel;
    hinten links oben eine Enkelin von Pentrups




    Austellung

    Ausstellung im Mühlenhof am 25. Mai 2008 anlässlich des Jubiläums der Staatsgründung Israels


    Austellung

    Oberbürgermeister Dr. Bertold Tillmann (3.v.l) mit dem israelischen Gesandten Ilan Mor (4.v.l) vor der Ausstellung im Mühlenhof, umringt von Jakob Grave, David Schumacher, dem Designer der Ausstellung, Christoph Schmidt-Ehmcke, Niko Neuhaus und Elsa Paus