Wie so oft trafen wir uns auch an diesem Tag an der Schule. Auf dem Programm stand "Work on project". Es sollte also mit dem Bus nach Yad Vashem gehen.
An Ostern dachte an diesem Tag so gut wie niemand. Keine Schokoladeneier, keine Familienfeier,kein Gottesdienst. Stattdessen offene Geschäfte und volle Straßen.
Auf der Fahrt erinnerte uns Christoph Schmidt-Ehmcke daran, dass Ostern war. Er forderte uns dazu auf, unseren Austauschpartnern die Ostergeschichte zu erzählen. Wenn jemand aus der israelischen Gruppe dann in der Lage wäre, sie richtig nachzuerzählen, gäbe es für alle ein leckeres Eis. Nach etwa einer halben Stunde meldete sich Sivan - sie konnte sogar die Geschichte vom ungläubigen Thomas wiedergeben. Das Eis war gerettet!
Als wir in Yad Vashem ankamen, stellte sich Shira vor, eine junge Mitarbeiterin der
Erinnerungsstätte, die uns in den nächsten beiden Tagen begleiten sollte.
Sie führte uns zunächst in den "Big Questions Room", in dem auf einer Leinwand Fragen erschienen, die aus Reflexionen nach dem Holocaust entstanden sind. Danach konnten wir uns in Kleingruppen an Computer setzen und uns Beiträge von Historikern und Wissenschaftlern anhören, die versucht haben, auf die Fragen zu antworten.
So konnte jeder auswählen, was ihn am meisten interessierte und so Antworten auf Fragen wie die folgenden finden:
- Wo war Gott während des Holocausts?
- Warum haben die Alliierten Auschwitz nicht angegriffen?
- Hätte es den Holocaust auch ohne Hitler geben können?
Anschließend besichtigten wir die ,,Avenue of the Righteous'' und die 20.000 in Yad Vashem gepflanzten Bäume.
Unter anderem erzählte uns Shira von dem Baum, der Aristides de Sousa Mendes gewidmet war, einem Portugiesen, der während des zweiten Weltkrieges in der portugiesischen Botschaft in Frankreich arbeitete. Er verhalf mehreren Tausend Juden zur Flucht über die spanische Grenze, indem er ihnen falsche Visa verschaffte.
Sein Wille zu helfen entstand aus seinem christlichen Glauben heraus und aus der Überzeugung, dass alle Menschen gleich behandelt werden müssen, unabhängig von ihrer Religion oder ihren politischen Idealen.
Auf unserem Weg sahen wir zwei weitere Bäume, die zum einen der dänischen Gesellschaft und zum anderen einer großen polnischen Untergrundorganisation gewidmet sind, sowie den Baum zu Ehren von Oscar Schindler.
Nach der Mittagspause begrüßte uns Irena Steinfeld. In ihrem Vortrag erzählte sie uns von ihrer Arbeit und von den Aufnahmebedingungen in die Liste der ,,Righteous among the nations''(Gerechte unter den Völkern).
Außerdem zeigte sie uns das Dossier 463, das unter anderem einen Originalbrief Marga Spiegels vom 10.1.1966 enthält, in dem sie um die Aufnahme ihrer "Retter" in die Liste der Gerechten bittet.
Nachdem die israelischen Austauschschüler ihrem Film über das Projekt und den Austausch präsentiert und überreicht hatten, zeigten auch wir, woran wir in den letzten Monaten gearbeitet hatten.
Wir führten die Website vor und übergaben Frau Steinfeld die CDs mit der Radiosendung und den Interviews mit den deutschen Bauernfamilien, dazu eine längere Erzählung von Christoph Schmidt-Ehmcke über das Engagement von Anni Richter geb. Aschoff für die Familie Spiegel.
Bevor wir nach einem anstrengenden Tag mit neuen Informationen und interessanten Einblicken in das Konzept von Yad Vashem den Rückweg antraten, holten wir uns unsere wohlverdiente Belohnung in der Eisdiele ab.
Den Abend ließen wir zusammen mit unseren israelischen Austauschschülern bei einem spannenden Basketballspiel (Rishon gegen Tel Aviv) ausklingen.